28. 8. 2017
Open Business Models

Für den OpenData-FocusDay im Berner Impact Hub  hielt ich einen Vortrag zu Geschäftsmodellen in der “Open Ära”. Kurz zusammengefasst: Kontrolle und Steuerung sind auch bei freier Software möglich; durch das fehlende Lock-in entscheidet der “Added Value” und die Servicequalität über den Geschäftserfolg.

Weshalb open?

Vom digitalen Wandel sind immer mehr Prozesse und Lebensbereiche betroffen. Hier stellt sich meines Erachtens die Frage, wie wir als Privatpersonen, Unternehmen und Gemeinschaft die digitale Zukunft gestalten wollen: Selbstbestimmt auf der Basis von offener, transparenter Software oder als Abhängige von globalen Unternehmen? Weitere Argumente für eine Offenheit von Daten, Systemen und Schnittstellen sind die Möglichkeit für das Verknüpfen von offenen (Behörden-)Daten, die Interoperabilität von Systemen und Applikationen und nicht zuletzt die Vorteile von Konzepten wie Open Innovation, der Sharing Economy und (echtem) Social Entrepreneurship.

Kontrolle und Steuerung

Mit der Offenheit wird oft ein Verlust von Kontrolle und Steuerung gleichgesetzt. Dabei bieten die Lizenzwahl sowie der Aufbau der Community einige Hebel, die auf Wunsch betätigt werden können: 
Die Wahl der Open Source Lizenz sagt dabei auch etwas über die Philosophie des entsprechenden Projekts aus: Soll dieses Freie Software bleiben oder mit der Chance auf eine höhere Verbreitung auch als Teil einer proprietären Lösung zum Einsatz kommen? Kunden gegenüber sehe ich eine permissive Lizenz wie die Gnu General Public License (GPL) als Investitionsschutz, da Weiterentwicklungen an der Software wiederum unter der gleichen Lizenz erfolgen müssen. Der kommerzielle Schutz eines Produkts lässt sich über ein Dual Licensing oder den Namensrechten am Produkt sicherstellen.

Die Community rund um ein Open Source Projekt lässt sich in einem Zwiebelmodell darstellen. Dabei sind die Core Entwickler die Gatekeepers, welche bestimmen, welcher Code in das Projekt einfliesst. Je früher Entwickler(-firmen) in ein Projekt einsteigen, desto grösser sind denn auch ihre Einflussmöglichkeiten in der Community. Eine weitere Einflussmöglichkeit ist die Form und der Zeitpunkt der Veröffentlichung des Quellcodes: Lizenzen wie die GPL fordern, dass der Quellcode zur Software den Benutzern zur Verfügung stehen muss. Ob nun aber bloss Snapshots der einzelnen Releases veröffentlicht werden oder ob sämtliche Änderungen für alle nachvollziehbar sind, können die Projekte selber entscheiden.

Geschäftsmodelle

Dass mit freier Software auch Geld verdient wird, ist aus meiner Sicht kein Widerspruch. Im Gegenteil: Es gibt “Jobs to be done”, die entweder nur wenig attraktiv für freiwillige Mitarbeitende sind oder die auch aus Kundensicht von einer professionellen Instanz übernommen werden sollten. So gesehen lassen sich die meisten Geschäftsmodelle aus der “alten” Welt auch in der “Open Ära” anwenden. Einzig mit dem Unterschied, dass der Kunde respektive der Benutzer nicht von einem Anbieter abhängig ist.